BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Kreisverband Celle

Obdachlosigkeit entschlossen bekämpfen

Menschenwürdiges Wohnen statt Notunterkünfte

13.10.25 – von Johanna Thomsen/Juliane Schrader –

Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Celler Stadtrat haben einen umfassenden Antrag zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit eingebracht. Angesichts des offenen Briefs eines Betreuers, der auf die unhaltbaren Zustände in der Unterkunft Scheuen hinweist, ist für die Grünen klar: Die Stadt muss jetzt handeln, und zwar entschieden, nachhaltig und menschlich.

„Die geschilderten Zustände sind erschütternd und sie sind nicht neu. Wir kritisieren seit Jahren die Missstände in Scheuen. Die Unterkunft ist weder baulich noch konzeptionell geeignet, um Menschen in Not würdig unterzubringen. Man sollte jetzt schnell handeln, Scheuen schließen und die Menschen kurzfristig in anderen Unterkünften unterbringen. Hier gibt es sicher Möglichkeiten, auch interkommunal“, so die Fraktionsvorsitzende Johanna Thomsen. "Bereits 2021/22 war Scheuen Gegenstand der öffentlichen Berichterstattung. Die Stadt versprach damals Verbesserungen – etwa durch einen Hausmeister vor Ort –, doch konkrete Verbesserungen blieben aus. Das Problem wurde aufgeschoben, nicht gelöst."

Mit ihrem aktuellen Antrag fordert die GRÜNE Fraktion aber nicht nur kurzfristige Maßnahmen, sondern ein langfristiges Umdenken in der Wohnungspolitik, orientiert am Prinzip "Housing First“. Dieses Konzept ist in vielen Ländern Europas und deutschen Städten seit einigen Jahren ein neuer Ansatz zur Vermeidung von Obdachlosigkeit. Dabei wird obdachlosen Menschen zuerst eine eigene, unbefristete Wohnung angeboten wird, bevor weitere Hilfen greifen. Das Prinzip lautet: zuerst die Wohnung, dann die Unterstützung. Die Betroffenen müssen sich dafür nicht erst "bewähren" oder eine Therapie durchlaufen. Erst wenn ein sicheres Zuhause besteht, können andere soziale Probleme wie Sucht, finanzielle Schwierigkeiten oder gesundheitliche Probleme angegangen werden.

„Housing First bedeutet auch ein Umdenken in der Stadtgesellschaft und der Verwaltung. Von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen brauchen Unterstützung, nicht einfach nur eine Aufbewahrungsstätte. Der schon lange bekannte und immer wieder angeprangerte desolate Zustand in Scheuen und der weit von allen Ämtern, Behörden und Geschäften entfernte Standort muss aufgegeben werden. Ab und zu neue Farbe macht die Unterkunft nicht menschenwürdiger“, so Juliane Schrader, Mitglied im Ausschuss für Soziales und Integration.

Die Stadt wird aufgefordert, gemeinsam mit erfahrenen Trägern ein tragfähiges Housing-First-Konzept zu entwickeln und Scheuen aufzugeben. „Das ist sicher nur ein erster Schritt – aber es ist der, den wir jetzt gehen müssen. Und zwar entschlossen und ohne weitere Verzögerung.“, Juliane Schrader abschließend.

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Fraktion Stadt Celle | GRÜNE Stadt Celle

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